Podcast Silvester 2025 - Die Krisenwarteschlange
Shownotes
2025 war kein leichtes Jahr. Krisen überall – global, wirtschaftlich, politisch, persönlich. Und oft hatte man das Gefühl: Alle wollen gleichzeitig gehört werden. In dieser Silvesterfolge von „Erfolg braucht Verantwortung“ nehme ich dich mit in eine ebenso absurde wie treffende Szenerie: Eine Warteschlange, in der sich die Krisen des Jahres einreihen – jede mit eigener Geschichte, eigener Dringlichkeit und eigener Perspektive. Mit Humor, feiner Beobachtung und emotionalen Momenten entsteht ein Rückblick, der nicht deprimiert, sondern verbindet. Und ein Ausblick auf 2026, der Mut macht, ohne naiv zu sein. Eine Geschichte für alle, die lachen können – trotz allem. Und die daran glauben, dass Verantwortung immer auch Hoffnung bedeutet.
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00:00:27: Stelle vor.
00:00:28: alle Krisen des Jahres stehen in einer Schlange.
00:00:32: Geduldig, ungeduldig, manche empört, manche erschöpft.
00:00:37: Wirtschaft, Politik, KI, Klima, persönliche Sorgen.
00:00:43: Jede Krise ist überzeugt, ich bin jetzt dran.
00:00:47: In dieser Geschichte in diesem ungewöhnlichen Podcast blicke ich zurück auf ein Jahr, das viel an ihre Grenzen gebracht hat.
00:00:55: Aber ich tue es nicht mit erhobenen Zeigefinger, sondern mit Humor.
00:01:00: Mit Wärme und mit einer Portion Hoffnung.
00:01:03: Denn ist das Wichtigste, was wir für das nächste Jahr brauchen.
00:01:07: Denn vielleicht liegt die wichtigste Erkenntnis nicht in der nächsten Prognose, sondern in der Frage, wie wir miteinander umgehen.
00:01:15: Wenn niemand mehr weiß, wie lange die Warteschlange noch ist.
00:01:21: Willkommen zum Jahreswechsel.
00:01:23: »Wilkommen in der Krisenwarteschlange!«.
00:01:36: Es war der ein und dreißigste Dezember, zwanzig, fünfundzwanzig, kurz nach neun Uhr morgens, als ich mich in eine Warteschlange stellte, von der ich und niemand wusste, wo sie begann, und noch weniger, wohin sie führte.
00:01:53: Über der Tür hing ein schlichtes Schild aus Karton, Leitschief, offenbar hastig mit Filtschrift beschriftet.
00:02:00: Zentrale Kiesenannahme, bitte hinten anstellen.
00:02:03: – Ich saufe sie, natürlich.
00:02:08: Wo sonst sollte man an einem Silvester morgen landen?
00:02:11: – Die Schlage war lang.
00:02:13: – Sehr lang.
00:02:16: Sie zog sich durch eine graue Halle, vorbei an Klaptischen, Kaffekannen und Menschen, die aussehen, als hätten sie das Jahr zwanzig, fünfundzwanzig persönlich beleidigt.
00:02:27: Vor mir stand ein Mann mittleren Alters mit zusammengekniffenen Lippen und einem Aktenordner unter dem Arm.
00:02:35: Auf dem Rücken des Ordners klebte ein Aufkleber.
00:02:39: Restrukturierung, Q-Drei, gescheitert.
00:02:43: Hinter mir eine junge Frau, die unentwegt auf ihr Smartphone starte, als würde sie hoffen, dass gleich eine Push-Nachricht erschien, mit dem Inhalt, alles war nur ein Missverständnis, bitte zurück ins alte Leben.
00:02:56: »Ich räusperte mich.
00:02:57: Entschuldigung, sagte ich vorsichtig.
00:02:59: Wissen Sie, wofür wir hier eigentlich anstehen?«.
00:03:03: Der Mann vor mir lachte trocken.
00:03:05: »Wenn Sie das wissen, sagen Sie mir bitte Bescheid.
00:03:08: Ich stehe hier seit März.«.
00:03:10: »Aha.
00:03:10: Stadts und Eins.
00:03:11: Wirtschaft.«.
00:03:13: Nach gefühlten drei Stunden, tatsächlich waren es nur zwanzig Minuten, bewegte sich die Schlange ein paar Meter weiter.
00:03:20: Ein Schild tauchte auf.
00:03:21: Schalte eins.
00:03:22: Wirtschaft und Existenzängste.
00:03:25: Dahinter saß eine Frau mit randloser Brille und einem Stapelformulare, der aussah wie ein mittelständisches Unternehmen kurz vor der Invervenz.
00:03:35: – Nächster bitte, sagte sie freundlich, aber bestimmt.
00:03:38: – Der Mann mit dem Ordner-Trad-Form.
00:03:42: Maschinenbau begann er, Baden-Württemberg, Exportkote, altundsechzig Prozent, Zolle, Energiepreise, Asien, sie nicht routiniert.
00:03:50: Trump Nachwirkung und Bürokratie ergänzte er, viel Bürokratie.
00:03:56: Sie schob ihm ein Formular rüber.
00:03:58: Dann bitte hier unterschreiben, ich habe mein bestes gegeben und hier, ich hätte es allein nicht lösen können.
00:04:06: Er zögerte, das zweite fällt mir schwer.
00:04:10: Das tun alle, sagte sie sanft, er unterschrieb.
00:04:13: Als er ging, wirkte er ein klein wenig leichter, nicht erlöst, aber dafür gesehen.
00:04:20: Stattion II Gesellschaft.
00:04:23: Die Schlange rückte näher.
00:04:25: Schalter II.
00:04:26: Spaltung, Streit und Sprachlosigkeit.
00:04:30: Hier ging es laut dazu.
00:04:31: Zwei Menschen stritten sich flüstern über Fakten, die sie beide aus völlig unterschiedlichen Quellen hatten.
00:04:37: Früher konnte man noch diskutieren, sagt ein älterer Herr vor mir.
00:04:41: Heute wird man sofort etikettiert.
00:04:44: Ich wurde dieses Jahr gleich dreimal entfreundet, warf eine Frau ein.
00:04:49: Einmal wegen Politik, einmal wegen Gendern und einmal wegen Weihnachten.
00:04:54: »Wegen Weihnachten?
00:04:56: Ich habe gebesagt, man darf das Wort noch benutzen.«.
00:05:01: Stille!
00:05:02: Der Schalter beamte einen Mann mit Weihnachtsmannbad, allerdings ohne Mütze, hob die Hand.
00:05:08: »Bitte nicht!
00:05:09: Nicht alles gleichzeitig, sagt er.
00:05:10: Wir arbeiten hier chronologisch.
00:05:13: Er reichte jeden einen kleinen Zettel.
00:05:15: Darauf stand nur Einsatz.«.
00:05:17: Vielleicht hat der andere mich gegen dich, sondern für etwas anderes gekämpft.
00:05:23: Keiner sagte etwas, aber alle steckten den Zettel ein.
00:05:27: St.
00:05:27: III.
00:05:28: Weltlage.
00:05:30: Jetzt wurde es schwerer.
00:05:31: Schalter III.
00:05:32: Krieg, Flucht und Ohnmacht.
00:05:35: Hier sprachen jemand laut.
00:05:37: Man hörte nur Schritte und atmen.
00:05:41: Eine Frau mit ukrainischem Akzent erzählte leise von Kiev, von Nächten im Keller.
00:05:46: von Kindern, die gelernt hatten, Serien von Kirchenlocken zu unterscheiden.
00:05:52: Ein junger Mann berichtete von seiner Flucht aus Syrien und davon, wie sehr er sich geschämt hätte, um Hilfe zu bitten.
00:06:01: Der Beamte hinter dem Schalter hörte einfach zu.
00:06:04: Keine Formulare, keine Tipps, nur Einsatz zum Schluss.
00:06:09: Danke, daß sie noch Hoffnung mitgebracht haben.
00:06:13: Viele haben sie unterwegs verloren.
00:06:16: Station Vier, Bürokratie, unvermeidlich.
00:06:19: Natürlich gab es sie.
00:06:21: Schalter Vier Anträge, Nachweise und absurde Formulare.
00:06:26: Als Schild erklärte, bitte bringen sie alle unter langen Vollständig mit, auch die, von denen sie nicht wussten, daß sie es gibt.
00:06:34: Ein Mann rief verzweifelt.
00:06:36: Ich habe alles, wirklich alles.
00:06:39: Die Sachbearbeiterin lächelte milz.
00:06:42: Dann fehlt nur noch Formular XIIB.
00:06:46: Was ist das?
00:06:47: Der Nachweis, dass sie Formulär zwölfbenicht haben.
00:06:51: Gelächter.
00:06:52: Erstmals echtes, befreiendes Gelächter.
00:06:56: Dann ein unerwarteter Zwischenfall.
00:06:59: Plötzlich flackerte das Licht.
00:07:02: Eine Durchsage ertönte.
00:07:03: Achtung, die Krisenwarteschlange ist überlastet.
00:07:07: Bitte bewahren sie Ruhe.
00:07:09: Unruhe entstand trotzdem.
00:07:12: Ein Kind begann zu weinen.
00:07:14: Jemand reichte ihm ein Keks.
00:07:15: Eine ältere Dame setzte sich auf den Boden.
00:07:18: Zwei Fremde halfen ihr hoch.
00:07:21: Und während sie dort standen zwischen globalen Krisen, persönlichen Scheitern und Formularen mit Extenzberechtigung, passierte etwas Merkwürdiges.
00:07:32: Die Menschen begannen miteinander zu reden.
00:07:35: Nicht über Schlagzeilen, nicht über Schuld, sondern über das, was sie durch dieses Jahr getragen hatte.
00:07:41: Ein Lied.
00:07:43: Ein Hund.
00:07:44: Ein Gespräch um Mitternacht.
00:07:46: Ein Mensch, der geblieben war.
00:07:50: Der Jahresrückblick zwanzig, fünfundzwanzig in einem Raum.
00:07:53: Wenn man das Jahr zwanzig, fünfundzwanzig in einem Raum zusammenfassen wollte, es wäre dieser gewesen.
00:08:02: Ein Jahr der Erschöpfung, der Überforderung, der lauten Extreme und der leisen Verluste.
00:08:09: Ein Jahr, in dem vieles zu groß, zu schnell, zu unübesichtlich war, aber auch ein Jahr, in dem erstaunlich viele Menschen nicht aufgegeben haben.
00:08:18: Nicht laut, nicht heroisch, sondern einfach, indem sie weitergemacht haben.
00:08:25: Der Ausblick schallt er zwanzig sechsundzwanzig.
00:08:30: Ganz am Ende der Halle, fast unscheinbar, hing ein kleines Schild.
00:08:35: Ausgang Richtung zwanzig sechsundzwanzig.
00:08:38: Daneben stand kein Beamter, kein Formular.
00:08:44: Nur ein Spiegel, darunter ein Satz, du bist Teil der Lösung, die du suchst.
00:08:49: Die Menschen blieben stehen, sahen sich an, sahen sich selbst.
00:08:53: Jemand sagte leise, hm, vielleicht fangen wir kleiner an.
00:08:58: Ein anderer nickte, äh, vielleicht fangen wir miteinander an.
00:09:03: Schlussbild.
00:09:05: Als ich die Halle verließ, war draußen Winter.
00:09:08: Kalt.
00:09:09: Klar, ein neues Jahr wartet nicht mit Antworten, aber mit Möglichkeiten, und während irgendwo bereits Raketen für Mitternacht vorbereitet wurden, dachte ich, hm, vielleicht ist zwanzig, sechsundzwanzig kein Jahr der großen Wunder, vielleicht ist es das Jahr der kleinen Schritte, der leisen Versöhnung der mutigen Gespräche, und vielleicht, nur ganz vielleicht, stehen wir dann nicht mehr in Warteschlangen, sondern wir stehen nebeneinander.
00:09:40: Ich bin mal gespannt.
00:10:02: Liebe Hörerinnen und Bürger, bevor wir dieses Jahr gemeinsam verabschieden, möchte ich einen Moment innerhalb und Danke sagen.
00:10:09: Danke für eure Zeit.
00:10:12: Danke für euer Zuhören.
00:10:14: Danke für euer Vertrauen.
00:10:16: In einer Welt in der Aufmerksamkeit zur knappen Ressource geworden ist, ist es alles andere als selbstverständlich, dass ihr euch regelmäßig Zeit nehmt für Gespräche über Verantwortung, Haltung, Wirtschaft, Gesellschaft und manchmal auch Humor für Humor an der richtigen Stelle.
00:10:36: Wir haben wirtschaftliche Unsicherheit, erlebt politische Spannung, Polarisierung, Kriegetechnologische Umbrüche und viele Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt.
00:10:47: Und deshalb braucht es Räume wie diesen Podcast.
00:10:52: Räume für Einordnung statt Empörung, für Dialog statt Schlagabtausch, für Nachdenken statt schnelle Urteile.
00:11:00: Erfolg braucht Verantwortung.
00:11:02: war, dass ein Ort für Perspektiven, für unterschiedliche Meinungen von Experten und für Menschen die gestalten wollen, statt nur zu kommentieren.
00:11:15: Kommt alle gut ins neue Jahr.
00:11:17: Bleibt gesund, bleibt zuversichtlich und vor allem bleibt im Gespräch.
00:11:24: Alles Gute wünscht Udo Gast.
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